Nahverkehr

                   
Nachdem man das System der öffentlichen Nahverkehrsmittel erst mal begriffen hat, kann man sich in Bukarest ohne großen Aufwand und Kosten erschliessen. Im Vergleich zum deutschen Nahverkehr kostet das hier alles nix.

Die Metro

Eines der wenigen erfolgreichen Projekte Ceaucescu´s.
1985 in Dienst genommen verfügt sie über drei Linien quer durch die Stadt. Fahrkarten kann man in jeder U-Bahn Station kaufen, an den Drehkreuzen gibt es immer einen entsprechenden Schalter. Die U-Bahn fährt aber nur bis Mitternacht, wie übrigens auch der GESAMTE andere Nahverkehr. Nachts bleibt daher nur das Taxi.

Vorderseite

Rückseite
Es gibt 2er und 10er Karten.

Die 2er kostet 14.000 Lei, also derzeit knapp 40 Cent die abgebildete 10er Karte kostet 50.000 Lei, also rund 1,40 €. Wohlgemerkt für 10 Fahrten!!

Hat man erst mal den U-Bahn Bereich durch die Drehkreuze betreten, kann man beliebig oft zwischen den Linien umsteigen.

Ich habe mittlerweile die dritte 10er Karte. Auch wenn das Taxi quer durch die Stadt etwa 1,50 Euro kostet (mit Trinkgeld 50.000 Lei), nutze ich aus Prinzip die öffentlichen Transportwege. Ausserdem landet man dann quasi zwangsläufig an den wichtigen Punkten in der Stadt. Und bevor ich einem rumänischen Taxifahrer erklärt habe, wo ich hin will und der dann wegen 8.000 Lei noch zwei Kilometer Umweg fährt, dann lieber Bahn...


Zwei Haken hat die Sache:
1. Diebstähle
Kurz: Man muss seine Taschen im Auge behalten.

Rumänien hat wohl weniger Probleme mit Schwerkriminalität. Raubüberfälle auf Ausländer sind die Ausnahme. Ansonsten sind diese aber Freiwild. Taschen bzw. Rucksäcke werden gern auf- oder abgeschnitten. Portemonnaies sollte man nicht hinten in der Hosentasche haben etc. Die Leute enden dann als Konsularfall in der Botschaft und brauchen einen Passersatz und Geld für die Rückreise.

Ich habe allerdings gerade dort immer etwas Geld. So rund 300.000 Lei, die ich für kleiner Sachen brauche. Werden die geklaut - gut - sind 8 Euro weg. Kreditkarte, Reisepass und das grosse Geld habe ich in einem Brustbeutel (Dank an Hagen !). Und es lenkt die Leute vielleicht von meinem Rucksack ab, wo die Kamera drin ist.

2. Die Armut
Nirgends wird man mit den sozialen Problemen Rumäniens derart konfrontiert, wie in den warmen Stationen der Metro von Bukarest.

Grundsätzlich kann man mit der gebotenen Vorsicht als Ausländer drei Gruppen unterscheiden:
1. die Zigeunerkinder (Alter 4-8)
2. die rumänische Straßenkinder (Alter 7-16)
3. die Rentner

Die zweite Gruppe ist überraschend selten. Wenn man sie sieht, dann aber auch klassisch mit Leimtüte. Sie sind mit sich beschäftigt und betteln daher kaum.

Die Zigeunerkinder betrachte ich mit Argwohn. Erstens betteln sie teilweise unangenehm agressiv. Zweitens glaube ich, dass sie das Geld nicht behalten, sondern abliefern müssen. Man gibt (wahrscheinlich) den Falschen. Sie tauchen in der Metro auf und erzählen irgendeine Geschichte, die ich zwar nicht verstehe, mir aber ausrechnen kann. Wenn sie einen Ausländer erkannt haben, bleiben sie dann teilweise lange vor einem stehen und versuchen so etwas "herauszupressen". Auch wenn es Mutmaßungen sind, habe ich das Gefühl, dass die erste und zweite Gruppe nicht identisch sind und nicht etwa nur die älteren Zigeunerkinder sind darstellt.

Die Rentner hat der gesellschaftliche Umbruch am meisten getroffen. Da es früher staatliche Programme gab, wodurch Wohnungseigentum geschaffen werden sollte - sprich man konnte sein Stücke "Plattenbau" kaufen - haben sie wohl groesstenteils eine Wohnung. Der soziale Sprengstoff kocht gerade dadurch hoch, dass die Regierung die Versorger (RADET) privatisiert hat. Dadurch fallen hier über Nacht fast westeuropäische Preise an. Und bei 2 Mio. Rente und bis zu 3 Mio. Nebenkosten für eine kleine Wohnung (lt. Zeitung) kann man sich die Probleme ausrechnen...

Allen kann man nicht geben. Wenn ich unterwegs bin, gebe ich ein oder zwei Alten etwas und hoffe, dass sie etwas früher nach Hause gehen können...

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