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Der Bahnhof Bucuresti Nord Gr. A war eine leichte Enttäuschung. Dresden
Neustadt nur ohne zweite Etage. Um die 15 Bahnsteige, daher überschaubar.
Da man in Deutschland keine Lei eintauschen kann, strebte ich zunächst eine
der Wechselstuben an. Davon gibt es in Bukarest ausreichend. Im Schnitt alle
200 Meter. Mit 30 Euro schrammte ich dank des miserablen Kurses knapp an
meiner ersten Million vorbei (924.000 Lei). Derzeit liegt der Kurs etwa
bei 1 € : 35.000 Lei. Aber die Inflation soll 2003 "nur" 14% betragen. Nach
20 Prozent letztes Jahr.
In Deutschland kann man aus diesem Grund die rumänische Währung bei einer
Bank schlichtweg nicht erwerben. Allerdings kann man auch mit Dollar oder
Euro nicht überall bezahlen, bzw. kann nicht herausgegeben werden.
Alltagsgeschäfte laufen auschliesslich in Lei. Ausnahme sind Mieten und
Autos, da man ansonsten in 10 hoch x Lei - Schritten rechnen muss
Ja, es steht in jedem Reiseführer. "Keine Taxis. Alles Verbrecher.". Es stimmt. Im Reiseführer von Lonely Planet stehen zwar die Buslinien, die man zum Hostel "Villa Helga" nehmen soll. Aber nicht in welche Richtung. Dumme Sache. Abgesehen davon findet man in Bukarest die Bushaltestellen nicht. Das gesamte System basiert - so bestätigte man mir später - ausschließlich auf dem System der Erfahrung. Man weiss, wo der Bus hält. Oder man wartet auf einen und beobachtet mit Argusaugen, wo dieser hält. Hat man eine Bushaltestelle ausgemacht, gibt es keine Garantie dafür, dass es auch die richtige ist. Teilweise sah ich meine anvisierte Linie dann etwa 50 Meter weiter an einer anderen "Bushaltestelle" halten. Außerdem ist Bukarest der einzige Bahnhof weltweit, in dem es 10 Zeitungsstände gibt, aber nur einer (!) einen Stadtplan auf Lager hat. Nach einer Stunde Suche hatte ich die Schnauze voll und habe mir den nächsten dumm fragenden Taxifahrer gegriffen. Der wollte nun 250.000 Lei (7,50 Euro) für die Fahrt. Laut Stadtplan doch ein ganzes Stück weg. Fand ich also fair. Los ging´s. Später erfuhr ich, dass es normalerweise ungefähr 20 % davon kosten durfte. Der Kilometer Taxi kostet in Bukarest satte 4.500 Lei, also derzeit gut 13 Cent!! |
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Villa Helga
ist ein beliebter und wohl der bekannteste Anlaufpunkt für so
genannte Backpackers. Ein interessantes Völkchen. Abgesehen davon ist diese
Touristenszene in Bukarest noch übersichtlich. Im Reiseführer steht zwar
etwas von 32 Betten, ich zählte aber in etwa 18-20 Betten. Kann aber auch
sein, dass mir etwas entgangen ist. Jedenfalls war Villa Helga im Januar
nur knapp zur Hälfte belegt. Kostenpunkt pro Übernachtung 10 US$ oder Euro,
mit HI-Ausweis 9,50 US$. Die siebente Nacht ist frei. Abgesehen davon,
bietet Villa Helga eine Waschmaschine. In Bukarest soll es nur einen
Waschsalon geben und den habe ich nicht gefunden. Wer selber suchen will: "Nuf Nuf" Calea Serban Vodâ 76-78. |
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In der VH lernte ich einen Deutschen, eine Britin, einen Amerikaner, eine Italienierin und einen Kolumbianer näher kennen. Zumindest der Reisepass von Alexandra(der Britin) sah wie ein Malbuch aus. Ihre Mutter ist Angestellte bei British Airways und daher kann sie bei freien Plätzen für 10% des Preises mitfliegen. Und das führte sie durch die halbe Welt. Sie konnte fliessend englisch, spanisch, französisch, eingeschränkt russisch und brockenweise deutsch. Beeindruckend. Bereits ohne Alkohol entwickelten sich Gespräche zwischen uns vier zu Sprachgemengen. Mit Alkohol wurde es dann richtig lustig. Der Kolumbianer hatte sich am ersten oder zweiten Abend seines Bukarest- Aufenthaltes die Kante gegeben. Was bei dem billigen Alkohol auch nachvollziehbar ist. Dummerweise hatten sie ihn dann auf dem Heimweg aufgemischt und ausgenommen. Jedenfalls war er jetzt ein sogenannter Konsularfall. Kein Geld, kein Pass und keine hilfsbereite Botschaft. Seine Freundin aus Kolumbien sollte demnächst in Rumänien aufschlagen und ihn rausholen. Das "Wie" war aber allen Beteiligten nicht ganz klar. Ende der Woche zog ich dann in mein neues Domizil um. Meine ursprüngliche Idee, einige Zeit mglw. die vier Monate in der VH zu verbringen, war nicht realisierbar. Es gibt dort nicht mal einen Schrank. Wegschliessen von Wertsachen - Fehlanzeige. Sachen auspacken auch. Es gab ein Metall-Kellerregal mit 4 Ebenen für 4 Leute. Also leben aus dem Rucksack/Tasche. Für vier Monate mit der Option sich hin und wieder in Schale schmeissen zu müssen einfach nicht praktikabel. Was zu dem Problem Mietwohnraum führt. Nicht bezahlbar bzw. nicht vorhanden. Von wegen harte Währung öffnet alle Türen. Für westlichen Standard darf man tief in die Tasche greifen. Die Preise sind zwar im Fallen, aber in dem Fall höher als in Deutschland. Vor einigen Jahren muss hier Goldgräberstimmung geherrscht haben. Mein Heim: ca. 12 m2 Zimmer mit einem Bett plus einen Schrank, ein Bad und Küche (1 Herdplatte + Kühlschrank, ohne Spüle) 250 Euro plus NK. Und das ist billig und kam aufgrund der Vermittlung einer Botschaftsangehörigen zustande. Dafür sind die sonstigen Lebenshaltungskosten extrem billig. Ein Weissbrot 500 g für 3.500 Lei, also in etwa 10 Cent!! Importware (Konfitüre, Butter) aus Deutschland kostet etwa so viel wie zu Hause. Aber auch weniger. Ein Erkältungsbad direkt aus Deutschland mit aufgeklebten rumänischen Inhaltsstoffen ca 1,30 Euro. In D bestimmt etwa 4 - 5 Euro. Am Ende der ersten Woche haute es mich dann erst mal aus den Socken. In VH schlief eine Zeit eine Italienerin bei mir im Zimmer. Sie hatte eine abklingende Erkältung und wahrscheinlich habe ich davon was mitgenommen. Nach zwei Tagen Inkubationszeit war ich am Sonnabend, Sonntag und Montag tot. Den Versuch zu arbeiten, habe ich am Montag Mittag abgebrochen. War aussichtslos. Ich konnte nicht mal die Zeit absitzen, so dreckig ging es mir. Mein Immunsystem kam mit der rumänisch-italienische Infektion irgendwie überhaupt nicht klar. Montag mittag zu Dienstag früh schlief ich 16 Stunden am Stück. Danach ging´s wieder. Aber über die ganze Woche brauchte ich noch etwa 150 Taschentücher. Allerdings kann man hier Antibiotika aller Art kaufen. OHNE Rezept!! |
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