"On the road to Bucuresti" Grundsätzliche Hinweise
Allgemein erreicht man Rumänien entweder mit dem Zug oder mit dem Flugzeug. Das eigene Auto zu nutzen empfiehlt sich nicht wirklich. Die Begründung liegt nicht einmal in der beschwerlichen Anreise. Die Rumänen haben das typisch südländische Verhältnis zum Straßenverkehr. Und für den gemeinen autoliebenden Deutschen ist Rumänien daher ein gefährliches Pflaster. Abgesehen davon ist die Gefahr eines Diebstahls nach Auskunft der Botschaft nicht so hoch, sofern man normale Mittelklassewagen fährt. Die Besitzdauer eines BMW 540 misst man aber eher in Tagen, statt Jahren. Dazu ist der Bedarf in Osteuropa doch noch zu hoch. Einige Angehörige aus der Botschaft habe ihre Autoradios gleich ausgebaut, um wenigstens diesen Anreiz zu nehmen.

Mit dem Zug kommt man entweder über München-Wien-Budapest-Bukarest oder über Dresden-Breslav-Budapest-Bukarest. Der Nachteil an der ersten Strecke war Anfang Januar 2002 der Übergang in Budapest. Der Zug aus Wien endete in einem anderen Bahnhof, als der Anschlusszug nach Bukarest abfährt. "Übergang mit Nahverkehrsmitteln" in 60 min steht lakonisch in der Reiseauskunft der Deutschen Bahn. Wer den Stress vermeiden will, fährt ab Dresden. Kostenpunkt 141 Euro plus Reservierungen und Liegewagen für Budapest-Bukarest. Insgesamt rund 157 Euro.

Unschlagbar im Vergleich mit den Kosten einer Flugreise: Ab Frankfurt und München kann man direkt Tarom-Air nutzen, was ca. 280 Euro plus Tax kostet. 20 Kilo plus Handgepäck sind frei, pro Kilo Übergepäck fallen 11,50 Euro an. Wer Lufthansa fliegt, sollte die Reisekosten abrechnen können. Hier kann man erst ab ca. 600-850 Euro einsteigen. Weiterer Haken am Flugzeug: Man landet ca. 15 km außerhalb der Stadt. Mit 20 Kilo kann man den Bus benutzen, ansonsten bleibt nur das Taxi. Das ist zwar in Rumänien grundsätzlich billig, aber nicht am Flughafen ;-). Dazu später mehr. Problem bei der Zugfahrt allein ist die Diebstahlsgefahr.

Die Einreise ist für EU-Bürger mittlerweise ohne Visum möglich.

Nach dem neuen Ausländergesetz von Rumänien, welches am 27.01.2003 in Kraft tritt, kann sich ein Deutscher 90 Tage innerhalb von 6 Monaten in Rumänien aufhalten. Das wohl früher teilweise praktizierte Spiel mit der Fahrt nach Budapest für 20 Euro und dem neuen Einreisestempel fällt damit flach. Wer länger bleiben will, braucht ein Visum.
Ansonsten kann man ohne weiteres mit dem Personalausweis alle Grenzkontrollen bestehen, erst die Rumänen wollten einen Reisepass sehen.

Wer nach nicht nur als Hoteltourist nach Bukarest fährt, braucht den Reiseführer "Romania and Moldawia" von Lonely Planet. Alles andere taugt nix.


Meine Erfahrungen

Die Hinreise
Nachdem ich in Siegen noch nach dem Prinzip "Lieber alles mitnehmen, statt irgendwas Wichtiges vergessen" verfahren bin, musste ich in Dresden nochmals aussortieren. Im Ergebnis wurde die früher gefällte Entscheidung, mit dem Zug statt dem Flugzeug nach Rumänien zu reisen, bestätigt. Präzise brachte ich 71,2 kg ohne und 105,6 kg mit Gepäck auf die Waage. Gut, man braucht einen Laptop nicht zum Überleben, aber ich habe ja auch keinen Survival-Trip gebucht.
Also.

Auf der Fahrt durch Tschechien habe ich einen österreichischen Austauschschüler kennengelernt, der seine Kippen vergessen hatte. Kurz nach Schmilka tobten dann die ersten Grenz- und Zollbeamten durch den Zug. Erst die Deutschen, dann die Tschechen und dann der Zoll. Das Spiel sollte sich einige Stunden später wiederholen. Diesmal waren es aber erst die Tschechen, dann die Österreicher und dann der Zoll. Interessanterweise wollte ich ja nicht nach Österreich, die Kontrolle lief schon vor dem letzten tschechischen Bahnhof. In Breslav hatte dann der Anschlusszug nach Budapest erst mal 20 Minuten Verspätung. Dafür hatte ich jetzt ein Abteil für mich. Kaum saß man drin, kamen die nächsten Grenzer. Diesmal die Tschechen und Slowaken. Aber kein Zoll.
Die Gegend außerhalb des Zuges war unspektakulär, was aber wohl zum Großteil an dem trüben Winterwetter lag. Nun gut, "Die Säulen der Erde" von Ken Follett entwickelte sich zu einem spannenden Roman. Gegen 16:00 Uhr wieder Beamte. Diesmal die Slowaken, dann die Ungarn und endlich wieder der Zoll. "Geschenke?" "Njet." "Wohin?" "Bukarest" "Was tun dort?" "Arbeiten." "Okay." "Bye."

Budapest-Keleti pu
In Budapest war mein ursprünglich grosszuegig bemessener Übergang zwischen den Zügen von 40 Minuten auf knappe 15 Minuten zusammengeschmolzen. Was im Grunde nicht tragisch ist, die Würze ergab sich erst aus dem Umstand, dass mein Anschlusszug nicht auf der Tafel stand. Mit der deutschen Bezeichnung D 461 nach Bukarest war rein gar nichts anzufangen. Um 19:10 Uhr fuhr eine Bahn nach nirgendwo und ein TRANSBALKAN nach Thessaloniki. Der dortige (griechische ?) Zugbegleiter konnte kein englisch, aber einige deutsche Wortfragmente. Jedenfalls sollte ich weiter Richtung Lok laufen. Nachdem ich mich ca. 5 Waggons weitergeschleppt hatte, traf ich den nächsten Zugbegleiter, der mich nach Inaugescheinnahme der Reservierung umgehend zurückjagte. Wieder bei dem Griechen wurde mir einiges erklärt - wovon ich aber kein Wort verstand. Jedenfalls Richtung Lok. Also ich nochmals zurück. Dort traf ich den alten Bekannten und ein neues Gesicht. Erneute kritische Würdigung meiner Reservierung. Kopfschütteln. Jedenfalls nicht hier. Zurück (wohlgemerkt immer 5 oder 6 Waggonlängen mit 35 Kilo Gepäck). Diesmal begleitete mich das neue Gesicht, welches wohl Ungar war und rudimentär englisch verstand. Nach kurzem Disput mit dem Griechen schien allen ein Licht aufzugehen. Auf dem Rückweg Richtung Lok wurde mir erklärt, dass der Zug an der rumänischen Grenze getrennt wird. Teil nach Bukarest, der Rest weiter nach Thesalloniki. Der Liegewagen war ganz vorn, hatte zwar eine andere Wagennummer als auf der Reservierung, dafür aber ein Abteil für mich allein. Im Verlaufe der Nacht tobten dann die Ungarn und die Rumänen plus Zoll durch den Zug. Anschliessend brachte mir der Zugbegleiter eine Kette und eine Schraube mit Mutter. Auf meinen interessierten, aber verständnislosen Blick schloss er hinter sich die Tür und verrammelte mit der Kette und der Schraube die Tür. "Thiefs in Romania" - Aha!

Die Fahrt durch Rumänien verschlief ich. War eh dunkel.
 
 
 
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